Lady Killer.
Reading Panel und Vortrag zu Gewalt und Geschlecht im Comic

Montag, 27. August, 18 Uhr

Seit in der letzten Dekade maskierte Superhelden die Leinwand eroberten, erhärtete sich der Verdacht, dass Comics genderpolitisch reaktionär sind. Im Comic haben Frauen einen schweren Stand. Bei all der Power, die den Superheldinnen zukommt, spielen sie oft nur den Sidekick oder werden durch stoffliche Verknappung zu erotischen Objekten degradiert. Das popkulturelle Medium zementiert dadurch althergebrachte Geschlechterstereotype.

Oder doch nicht? Ist der Comic vielleicht das ganze Gegenteil eines reaktionären Stabilisators? Bricht das Medium nicht gerade dadurch Konventionen, weil es Stereotype überzeichnet? Besitzt es nicht sogar das Potenzial, als marginalisiertes Medium aus der öffentlichen Randstellung heraus gesellschaftliche Normen zu hinterfragen?

In ihrem Vortrag "Männlicher Krieg vs. Weiblicher Frieden?" lotet im ersten Teil des Abends die Kölner Medienwissenschaftlerin Véronique Sina die Rollen aus, die den Geschlechtern in Comics zugeschrieben werden. Dass Frauen in Comics durchaus die Hauptrolle spielen, zeigt der zweite Teil. In der szenischen Lesung "Lady Killer", in dem die Heldin ein Doppelleben als brave Hausfrau, liebende Mutter und brutale Auftragskillerin im Amerika der frühen 1960er Jahren führt, verlebendigen Schauspielerinnen des Staatsschauspiels und der Herkuleskeule die Bilder und Panels des blutigen Comics, der Quentin Tarantino alle Ehre macht.



Übermännlich - Superweiblich?
Die Uniform in der Mode der Moderne

Barbara Vinken
Forum Museum

Montag, 1. Oktober, 18 Uhr

Militärische Uniformen sind in der Mode nach der Französischen Revolution ein anachronistischer Überhang. Während der Anzug in Kleidern darauf verweist, dass man auf die Kleider, die man trägt, keinen Gedanken verschwendet und Wichtigeres im Kopf hat, protzt und prunkt die Uniform und ist mit Farbenpracht und allerlei Verzierungen jedenfalls bis zu den Tarnuniformen des Zweiten Weltkrieges nicht zu übersehen. Was auf dem ersten Blick als Geschichte einer Trennung zwischen Mode und Militär erscheint, betrachtet die renommierte Modehistorikerin Barbara Vinken indes als intrikate Beziehungsgeschichte.
Vinken, die in ihrem Buch "Angezogen" dem Geheimnis der Mode nachspürte und nicht zuletzt deshalb für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde, geht in ihrem Vortrag davon aus, dass die eminent zivile Mode der Moderne ohne den Einfluss der Uniformen undenkbar ist. Aber nicht nur das: Unwiderstehlich anziehend zersetzen und untergraben Militärzitate die Kleider- und Geschlechterordnung der Moderne.