Militär und Gesellschaft

Die Beziehungen zwischen militärischer und ziviler Welt sind vielfältig und werden oft auf den ersten Blick nicht erkannt. Ob Sprache, Mode, Musik oder auch das Spielzeug im Kinderzimmer, die Verzahnung ist oft erstaunlich.

Sprache und Mode

„In Schuss halten“, „auf Tuchfühlung gehen“ oder der „Gassenhauer“ – viele Begriffe des Alltags sind ursprünglich militärische Begriffe, werden aber als solche nicht mehr wahrgenommen. Doch auch die Erfindung der Blindenschrift ist ein sich in der Ausstellung widerspiegelnder Aspekt der Wechselwirkung zwischen Militär und Gesellschaft. Der Besucher kann hier viel Neues und Überraschendes entdecken. Ähnliches gilt für den Einfluss militärischer Entwicklungen auf die Mode. Bis in die heutige Zeit halten sich militärische Stilelemente in der Haute Couture. Ein Ausstellungsstück von Vivien Westwood verdeutlicht Einfluss und Inspirationsquelle. Trenchcoat, T-Shirt und Fliegerblouson, aber auch Safari-Mode sind modische Klassiker, deren militärischer Ursprung heute nicht mehr erkannt wird. Die massenhafte Fertigung von Mode sowie die Standardisierung von Größen (S, M, L, XL) gehen auf Verfahren der Uniformfertigung zurück.

Musik und Kinderzimmer

Die Wechselwirkungen in der Musik sind da schon deutlicher. Seit jeher begleiten Lieder, Signale und Märsche den Dienst der Soldaten. Musik untermalte in all ihren Erscheinungsformen Glanz und Elend des Militärs. Signal- und Marschmusik hatten dabei einen großen Einfluss auf die jeweilige Musikkultur einer Epoche. Große Meister, wie Beethoven, komponierten ihrerseits Werke für Militärmusik. Die Partitur des „Tongemälde“ (Werk Nr. 91), das an den britisch-spanischen Sieg 1813 erinnern soll, wird in der Ausstellung gezeigt. Der vierte Teil des Themas „Militär und Gesellschaft“ zeigt Spielzeug verschiedenster Epochen. Vom Zinnsoldaten, über Jagdflugzeuge von Jahrmärkten der 1950 und 1960er Jahre oder dem modernen Ego-Shooter das militärische hat Einzug im Kinderzimmer gehalten. Die Ausstellung setzt sich hiermit kritisch auseinander. So ist das letzte Ausstellungsstück die Puppenstube eines englischen Mädchens aus dem Jahre 1944. Das Mädchen lebte in London und hatte ihre Puppenstube kriegstauglich gemacht, indem es die Fenster mit schwarzer Farbe verdunkelte, Gasbettchen für Ihre Puppenkinder aufbaute und einen Schutzraum in den Garten stellte, einen sogenannten Anderson Shelter. Spätestens an dieser Stelle ist aus Spiel Ernst geworden und der reale Krieg ins Kinderzimmer gekommen.

Interaktiver Museumsplan



Kurzinfo

  • Themenparcours
  • rechter Keilflügel & Keilspitze
  • 2. Obergeschoss