Gulag: Was mein Großvater nicht erzählte...
Die Geschichte des Dresdners Helmut Weiß

Donnerstag, 5. Dezember, 18 Uhr
Eröffnung Sonderausstellung

Helmut Weiß war ein in Dresden geborener und aufgewachsener Kommunist jüdischer Herkunft. 1934 floh er vor den Nazis in die Sowjetunion, wo er 1927 aufgrund einer Deunziation in ein kasachischer Gulag deportiert wurde. Unter lebensfeindlichen Bedingungen überstand er das Lager zehn Jahre und wurde erst 1947 entlassen. Obwohl Opfer des Stalinismus, blieb er dennoch überzeugter Kommunist. 2000 starb er in Estland.
Zum ersten Mal zeigt das MHM eine biografische Ausstellung zu einem historisierten Einzelschicksal, die nicht nur die streng wissenschaftliche Seite aufgreift, sondern auch einen persönlichen Ton des Erstellers, des Enkels Helmut Weiß,  zulässt. Diese Herangehensweise bietet in der kleinen Kabinettsausstellung die Chance zur Multiperspektivität, indem sie zeigt, dass Geschichte und Geschichten stets symbiotisch verbunden sind.


"...dass der Tod kein bisschen schlimmer ist als das Leben."
Warlam Schalamow, Schreiben nach dem GULAG

Montag, 16. Dezember, 18 Uhr
Lesung und Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin Dr. Franziska von Thun-Hohenstein (Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin) und dem Kulturjournalisten Dr. Jörg Platz (Deutschlandfunk Kultur)

Die lakonische und eindringliche Poetik seiner "Erzählungen aus Kolyma" über das Geschehen in den Zwangsarbeitslagern am Kältepol der Erde haben ihn berühmt gemacht. Der russische Dichter und Schriftsteller Warlam Schalamow (1907-1982) entnahm seinen eigenen Erfahrungen im GULAG ein neues, erschreckendes Wissen über den Menschen, das er mit Mitteln der Literatur gegen das Vergessen wachhalten wollte. Sein Werk auf eine politische Abrechnung mit dem stalinistischen Terrorsystem zu reduzieren, hieße, die philosophische Tiefe seines literarischen Nachdenkens über den Menschen zu verkennen, das auch heute kaum an Aktualität eingebüßt hat.

Eine Lesung ausgewählter Passagen wird einen Eindruck vom Werk Schalamows geben, das im Anschluss die Herausgeberin seiner deutschen Werkausgaben Franziska von Thun-Hohenstein und der Literaturkritiker Jörg Platz diskutieren.